Homberg rockt, und das immer besser
"It's only Rock'n'Roll, but I like it" war auf dem noch etwas großen T-Shirt zu lesen und machte deutlich, dass der junge Mann, der gewiss zu den jüngsten Fans des Festivals "Homberg rockt" zählte, sich nicht verlaufen hatte.
"Ich will mal sehen, wie die auf der Bühne so spielen", sagte der 10-jährige Jonas, der auf harte Sounds steht und seit kurzem bei Festival-Organisator Tobias Kockerscheidt Gitarren-Unterricht nimmt. Schwester Mia, ebenfalls 10 Jahre, teilt seine Begeisterung für das Gitarrenspiel, mag jedoch lieber Popmusik. Mutter Andrea Hennig hält sich dezent im Hintergrund, achtet aber darauf, dass die Kinder Ohrstöpsel tragen.
Das Festival "Homberg rockt" im Luthersaal der evangelischen Kirchengemeinde schreibt mit seiner fünften Auflage seine Erfolgsgeschichte fort. "Ich schätze, dass im Verlauf des Abends rund 500 Besucher hier waren", sagt Jakob Pietron, der vor vier Jahren gemeinsam mit Tobias Kockerscheidt das Festival, das für vier Euro über vier Stunden qualitativ gute Rockmusik der Genres Classic/Pop, Alternative und Metalrock bot, initiierte.
Die meist etwas undankbare Aufgabe des Startauftritts meisterte Johnny Handsome aus Siegburg sehr routiniert. Die Gewinner des "Battle of the Bands", in post-wavigem Weiß-Schwarz-Outfit, holte mit Songs wie "C'mon 'n dance" die Fans nicht nur vor die Bühne, sondern brachte sie auch zum Tanzen. Man musste sich zwar nicht anschnallen, aber mit Fasten Your Seatbelt wurde das musikalische Tempo spürbar erhöht. Das Quartett präsentierte einen hochkomprimierten Alternativesound zwischen krachig-rockig und psychedelisch, bei dem Sänger und Bassist Jens Köhler seine Doppelfunktion ohne Schwächen ausfüllte.
Mit weiteren Umdrehungen an der Soundschraube erhöhte anschließend Stigma aus Düsseldorf den rockigen Sounddruck. Die Songs ihres aktuellen Albums "Koma Wunderland" bestachen live insbesondere die expressive Art von Sänger Marcus Modwozinski, die die begeistert mitgehenden Fans mitnahm auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Dafür gab es den meisten Jubel. Gut 15 Jahre nach Midnight Darkness wollen Sänger Jörg Reuter und Gitarrist Detlef Poschmann mit Past MD dem Metal eine neue, zeitgemäße Richtung geben. Gelegentlich klangen auch subtilere Klangideen durch. Dass jedoch letztlich alte Metal-Stereotypen überwogen, konnte auch das exzellente Rhythmus-Duo mit Frank Schneiders (Bass) und André Zimmermann (Schlagzeug) nicht verhindern. "Insgesamt fand ich es gut", urteilte die 17-jährige Daniela Püttmann, die ein Ticket für "Homberg rockt" gewonnen hatte. "Es wird immer besser", meint Chris Schwab. "Nur die 0,2-Becher für Bier, die sind echt ein Witz", kritisierte der 16-Jährige aus Mettmann. Eine Kritik, mit der das Organisationsduo sicherlich gut leben kann.
Dank Sponsoren, darunter die Stadt Ratingen und die evangelische Kirchengemeinde, kann das durchweg professionell präsentierte Festival trotz der vier Euro Eintritt realisiert werden. Dem Organisationsduo Pietron/Kockerscheidt standen rund 25 Helfer zur Seite. Der Erlös aus dem Getränkeumsatz fließt in die Jugendarbeit der Evangelischen Kirchengemeinde.
von Bernd Schuknecht, RP, Ratingen-Heiligenhaus, 05.10.2009
Original Artikel ansehen










